Interview Wir wollen gemeinsam mit unseren Partnern smarte nachhaltige Lösungen entwickeln. Sie verwenden am Standort bereits jetzt 95 % erneuerbare Energie. Was hat Sie dazu veranlasst? Es war für uns von Anfang an selbstverständlich, Ökostrom zu verwenden. Aufgrund unserer optimierten Fertigungs- prozesse können wir energieärmer produzieren, weshalb die Energie bei den Gesamtkosten eine untergeordnete Rolle spielt. Dazu kommt, dass wir als einzige Energiequelle Strom verwenden können und seit 2024 zusätzlichen Eigenstrom über unsere 202 kW PV-Anlage produzieren. Diese trägt zur Energiesicherheit bei und macht uns unabhängiger von zukünftigen Strompreisschwankungen bzw. Engpässen. Was ist das wichtigste Nachhaltigkeits-Thema, mit dem Sie sich in Zukunft beschäftigen werden? Das wichtigste Thema für uns ist, kreislauffähige Produkte zu fertigen. Das bedeutet, die Produkte so zu entwickeln, dass sie am Ende ihres Produktlebenszyklus bestmöglich wiederverwendet werden können. Wir wollen gemeinsam mit Partnern Lösungen dafür finden, wo in einer gerade entstehenden Wiederverwertungs-Industrie unsere Produkte hineinpassen könnten, da für unsere geringen Restmengen aus heutiger Sicht keine speziellen Lösungen entwickelt werden. Unser Forschungsschwerpunkt dabei ist, möglichst homogene Produkte zur Verfügung zu stellen. Solche Produkte lassen sich gut recyceln und werden in Zukunft ein wichtiger Rohstoff für die Industrie sein. Das Komplizierte an diesen neuen Produktentwicklungen ist, dass neben der Herausforderung, Produkte kreislauffähig zu machen, in jeder unserer Produktgruppen noch weitere Performanceanforderungen hinzukommen. In der Fahrzeugindustrie beispielsweise spielt die Gewichtsreduktion die Hauptrolle, da mit sinkendem Gesamtgewicht die Reichweite steigt. In der Caravan-Industrie wiederum müssen auch kreislauffähige Produkte eine ausgezeichnete Optik haben, weil Ästhetik in diesem Segment vorrangig ist. In der Architektur wiederum ist das Thema Langlebigkeit wichtig. Das macht die gesamte Thematik sehr komplex. Die design composite beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Nachhaltigkeit. Was war der Grund dafür? Nachhaltigkeit ist bei uns schon seit 25 Jahren ein Thema. Warum wir jetzt unser Engagement verstärken, hat mehrere Gründe. Einer der Faktoren war die Rohstoffkrise, die uns veranlasst hat uns auf das Thema Materialkreislauf und Recycling-Möglichkeiten noch mehr zu fokussieren. Zeitgleich sind auf europäischer Ebene politische Entscheidungen getroffen worden, größere Unternehmen zur Einhaltung von Umwelt- und sozialen Aspekten in der Lieferkette zu verpflichten. Davon sind auch wir als Vorlieferanten zukünftig betroffen und haben daher im Vorfeld entsprechende Vorkehrungen getroffen. Eine der Hauptgründe, warum wir uns jetzt so intensiv mit dem ökologischen Teil der Nachhaltigkeit auseinandersetzen, sind jedoch die Klimaveränderung und die stark steigenden Abfallmengen. Die Klimaveränderung ist für uns alle spürbar, sie beunruhigt mich auch persönlich. Die großen Abfallmengen entstehen als Folge unserer Wegwerfgesellschaft. Billig weltweit einkaufen und vieles davon wegwerfen, dies müssen wir ernsthaft hinterfragen und dauerhaft verändern. Denn billig ist nicht besser. Auch die design composite könnte ihre Vorkomponenten günstiger in Asien einkaufen. Solange die Vorprodukte jedoch in Europa verfügbar sind, wird auf entsprechende Qualität gesetzt. Wir versuchen mit kundenspezifischen Angeboten zu punkten und somit ein ehrliches nachvollziehbares Produkt zu liefern. 4